Blog Tansania

A Big Week (Deutsch)

04.04.2011

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Bevor ich hierhergekommen bin, habe ich auch schon Cassies Blog regelmäßig verfolgt und war erstaunt, dass sie jede Woche einen Blogeintrag verfasst….damals dachte ich noch: „Passiert hier wirklich so viel innerhalb einer Woche?“. Seit dem ich hier bin kann ich es nur bestätigen: Ja, es passiert wirklich so viel…..man kann jede Woche ohne Problem einen neuen Bericht schreiben! Und so ist auch in dieser Woche.

Am letzten Samstag war die Stimmung hier mal wieder herrlich. Da die Kids hier nur wenig Süßigkeiten bekommen, beschloss ich gemeinsam mit ihnen Cookies zu backen! Gesagt, getan. Die benötigten Zutaten waren schnell besorgt und im Handumdrehen waren viele fleißige Helfer gefunden! Die Kinder liebten es in der Küche zu helfen, die Schokolade zu schneiden und den Teig anzurühren! Zum Glück war auch Mama Anna, die immer den Überblick und das richtige Händchen für die Menge der Zutaten hatte dabei! Wir hatten alle zusammen einen riesen Spaß in der Küche und die Cookies waren total lecker.

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Da die Kids nun 2 Wochen Schulferien haben, sind sie den ganzen Tag zu Hause. So konnte ich auch morgens mit den verschiedenen Gruppen in unserem fertigen Klassenzimmer arbeiten. Die „Schildkröten“ haben diese Woche mit dem Alphabet angefangen. Mit den „Giraffen“ und den „Löwen“ habe ich die Farben durchgenommen. Es hat wirklich richtig Spaß gemacht, die Kids zu unterrichten. Sie haben wirklich tolle Arbeit geleistet. Es ist erstaunlich wie schnell und mit welcher Freude die Kinder lernen. Sie geben wirklich ihr Bestes und können von dem Unterricht gar nicht genug bekommen. Andauernd fragen sie mich: „Teacher, Darasani?“ (Darasani = Klassenzimmer) 

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Um einen gewissen Rahmen zu schaffen, habe ich gemeinsam mit unserem Sozialarbeiter Muhali Regeln für das Klassenzimmer aufgestellt und diese sowohl in Englisch als auch in Suaheli an die Wand geschrieben. Muhali hat dann in einer Nachmittagsstunde die Regeln erklärt und den Kindern verständlich gemacht. Als Zeichen der Kenntnisnahme und Einstimmung  habend die Kinder dann mit ihrem Handabdruck unterschrieben und sich so gleichzeitig in dem Klassenzimmer verewigt. Seht euch die Bilder an! 

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Leider hatten wir diese Woche auch erstmals mit ein paar Verhaltensproblemen zu kämpfen. Ich meine es ist ganz klar, unsere Kinder sind auch nur „ganz normale Kinder“. Wie überall auf der Welt gibt’s da mal kleine Problemchen, die man jedoch mit geeigneten Mitteln lösen kann und muss.

Da die Kinder zuvor nie irgendwelche Spielsachen hatten wussten sie folglich auch nicht genau, wie man mit diesen umgeht. Und da natürlich keines unserer Kinder jemals eigene Spielsachen besessen hat, will sie jeder für sich haben. So sind leider ein paar Spielautos usw. zu Bruch gegangen. Um dem in Zukunft entgegenzuwirken und den Kindern gleichzeitig Verantwortung zu lehren, haben wir eine Kiste gekauft, in der die Spielsachen aufbewahrt werden. Möchte ein Kind mit etwas spielen, wird auf einer check-out- Liste notiert wer, wann und was zum Spielen genommen hat. Bringt das Kind das Spielzeug nicht oder aber kaputt zurück, muss es mit Konsequenzen rechnen. Und die Kiste zeigt schon die gewünschte Wirkung Bisher ist kein weiteres Spielzeug kaputt gegangen!

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Außerdem haben manche Kinder dazu geneigt, Diskussionen oder Auseinandersetzungen mit Schlagen, Schubsen, usw. zu lösen. Da wir den Kindern beibringen wollen, dass mit Schlagen absolut keine Probleme beseitigt werden können, haben wir verschiedene Regeln eingeführt. Im Gegensatz zu den Lehrern und Erwachsenen hier, die noch absolut altertümliche „Erziehungsmethoden“ wie beispielsweise Schlagen mit einem kleinen Stöckchen oder Lineal in der Schule anwenden, wollen wir den Kindern zeigen, dass Schlagen nie eine Alternative darstellt und absolut nicht weiterhilft.

Zum einen habe ich verschieden farbige Kärtchen für jedes Kind gebastelt, die jedem Kind den Stand der Dinge anzeigt: die grüne Karte ist sozusagen der Normalzustand, die gelbe Karte bedeutet das Kind wurde „verwarnt“ und die rote Karte bedeutet wenn man es mit Fußball vergleicht: Platzverweis , also im übertragenen Sinne ein Verbot: kein Fernsehen, kein Saft,… .

Außerdem wurden die Kinder, die sich in der Woche vorbildlich verhalten hatten belohnt. Sie durften gemeinsam mit mir im Klassenzimmer mit Wasserfarben malen, während dessen die restlichen Kinder Mama Grace bei der Hausarbeit und Onkel Patrick im Garten (wir pflanzen hier auch unser eigenes Gemüse an) oder beim Kehren helfen mussten. 

Nachdem die Lektion dann bei den Kindern angekommen ist, haben wir dann am Nachmittag eine Art Wasserspiel gespielt. Die Kinder wurden in 2 Gruppen aufgeteilt und das Ziel des Spiels war eine Soda-Flasche mit einem Becher mit Wasser zu füllen.  Seht euch das Video an. Die Kinder haben sich köstlich amüsiert!  

Neben all den Dingen, die im help2kids-Haus passiert sind, hatten wir gleich zu Beginn dieser Woche eine Erfahrung der besonderen Art. Am Montag machten wir uns auf den Weg nach Kareakoo, einem riesigen und chaotischen Markt in einem gefährlicheren Stadtviertel, auf dem man allesmögliche zu den günstigsten Preisen bekommt. Um diesen Teil der Stadt zu erreichen muss man jedoch einmal komplett durch die hektische Innenstadt, in der zu jeder Tageszeit ein absolutes Verkehrschaos herrscht. Leider haben wir uns da etwas verfahren und sind versehentlich falsch herum in eine Einbahnstraße eingebogen. Noch bevor wir wirklich bemerkten, was passiert ist, hatten wir schon zwei bewaffnete Polizisten im Auto sitzen! Diese boten uns dann 2 verschiedene Möglichkeiten an! Entweder sollte Cassie mit auf die Polizeiwache, dort das Auto stehen lassen und eine saftige Geldstrafe bezahlen oder (jetzt kommt der afrikanische Teil) sie sollte den Polizisten etwas Geld für die eigene Tasche bezahlen und diese hätten dann von der Aktion nichts mitbekommen! Unglaublich, aber wahr. So läuft es hier in Afrika! Die Polizei ist hier mehr als bestechlich!!! Naja, nur nebenbei erwähnt……..wir entschieden uns dann für die 2. Alternative 😉

Als wäre die Erfahrung mit den Polizisten nicht schon genug für diesen Tag blieb auch noch unser sehr zuverlässiges Auto (seitdem ich hier bin war es schon dreimal in der Werkstatt) inmitten von Kareakoo auf einer Kreuzung genau vor einem Dala-Dala (Kleinbus, öffentliches Verkehrsmittel in Afrika) stehen!!! Schlimmer hätte es nicht kommen können! Nun verstand ich wirklich, warum Cassie den Gang nach Kareakoo so lange wie möglich zu umgehen versucht! Zum Glück hatten wir Patrick dabei, der in diesem Moment als einziger noch den Überblick bewahrt hat und das Auto tatsächlich wieder zum Laufen gebraucht hat! Happy End Wir haben dann tatsächlich noch alle benötigten Sachen bekommen und sind dann nach einer weiteren Autopanne (!) auf dem Nachhauseweg sicher mit einem Taxi zu Hause angekommen. Das war wirklich ein Tag! So etwas erlebt man glaub ich nur in Afrika!!!

Das war‘s dann diese Woche von mir, vielen Dank fürs Lesen des Blogs. Ich hoffe ich konnte euch so, das aufregende Leben in Tansania und die tollen Erfahrungen, die ich hier bei help2kids machen darf, wieder etwas näher bringen! 

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