Geschichte

Es war 1884 auf der Berliner "Kongo-Konferenz", dass die europäischen Mächte mit Hilfe ungenauer Landkarten den afrikanischen Kontinent schwungvoll untereinander aufteilten. 
(Helmut Strizek, "Geschenkte Kolonien")

Der Beginn der Geschichte Tansania's
In der  vorhistorischen Zeit durchquerten Tansania tribal Handelswege, welche die grossen Seen (Victoria- und Tanganyika See) mit der Küste verbanden. Auf dem gleichen Weg  gelangten später arabische Händler ins Landesinnere auf der Suche nach Sklaven und Elfenbein.

Der erste Europäer, der an der Küste des heutigen Tansania’s im späten 15. Jahrhundert landete, war der portugiesische Entdecker Vasco da Gama. In den darauf folgenden Jahrzehnten wurde das Küstengebiet fast ausschliesslich von den Portugiesen kontrolliert. Die Portuguiesen kontrollierten auch Sansibar bis sie 1699 von Omani Arabern vertrieben wurden.

Carl Peters

Die Intensivierung der europäischen Kolonialisierung im 19. Jahrhundert
Bagamoyo wurde von den Europäern als Ausgangspunkt für die Erforschung des Landesinneren benutzt. Besucher waren unter anderem Sir Richard Burton (1856), John Hanning Speke (1871) - beide auf der Suche nach den Quellen des Nils -, Sir Henry Morton Stanley (1874) sowie Karl Peters (1884). Letzterer ein junger Deutscher mit dem fieberhaften Wunsch ein deutsches Reich zu errichten.  

Peters und zwei Begleiter erkundigten das das Land, welches zum Hoheitgebiet des Sultans in Sansibar gehörte, während wenigen Wochen. Sie überzeugten die lokalen Machhaber jeder neuen Region einen Vertrag zu unterschreiben und die deutsche Flagge aufzuhängen. Nicht genügend ausgerüstet und bald knapp an Lebensmitteln schafften sie es gerade noch zurück an die Küste. In Berlin machte Peters Bismarck den interessanten Vorschlag einer deutschen ostafrikanischer Kolonie. Bismark befand sich gerade an der  Kongokonferenz und war in imperialistischer Laune.  Im Februar 1885 garantierte Bismarck Peters die Mittel um eine ostafrikanische Schirmherrschaft zu errichten. Dieser Beschluss wurde jedoch nicht nach aussen kommuniziert bis die Kongokonferenz beendet war. 

Die Überreste der Gräber der Sultane auf Zanzibar (aufgenommen im August 2009)

Währenddessen rekrutierte Peters weitere Agenten, die den Auftrag hatten, weiteren Machthabern die Verträge auszuhändigen und dafür zu sorgen, dass diese unterschrieben werden. Es galt schnell, kühn und rücksichtslos zu sein.  Als der Sultan von Sansibar Wind von dem Vorhaben und der angebotenen Schutzherrschaft in seinem Territorium bekam, schickte er ein Protestschreiben an den deutschen Machthaber. Es erreichte Berlin im Mai und Bismarck ersuchte Peters um Rat. Peters riet Bismark den Sultan militärisch anzugreifen. Am 7. August 1885 erreichten fünf deutsche Kriegsflotten die Lagunen von Sansibar und eröffneten das Feuer auf den sultanesischen Palast. England wurde vom Sultan umgehend über die Aktivitäten Deutschlands benachrichtigt und beschloss einen Kompromiss anzustreben. Das Resutat war, dass Deutschland den Süden, England den Norden  und der Sultan die Inseln und einen Küstenstreifen zugeteilt bekamen. Der Beschluss wurde im November 1886 von allen drei Parteien angenommen und besiegelt.

Die Deutschen versuchten in den folgenden Jahren ihre ostafrikanische Kolonie weiterzuentwickeln. Es wurde von Dar es Salaam über Tabora nach Ujiji eine Eisenbahnstrecke gebaut. Neue Saatgüter wie Sisal und Baumwolle wurden erfolgreich eingeführt und ebenfalls die Entwicklung von Kaffeeplantagen am Fusse des Kilimanjaro verliefen erfolgreich. (Karte mit den bis heute wenigen Eisenbahnstrecken in Tansania)

Maji-Maji Kämpfer in einer historischen Aufnahme

Die tribal afrikanische Bevölkerung tat sich jedoch sehr schwer mit den deutschen Besatzern. Die eher rauhen und unerbittlichen Methoden der Deutschen die Arbeiter voranzutreiben führte 1905 zu der Maji-Maji Rebellion.   Maji bedeutet Wasser auf Swahili und die Bewegung wurde so benannt , weil die afrikanischen Arbeiter glaubten, dass eine magische Portion von Wasser, Rizinusöl und Hirse die deutschen Gewehrkugeln in Wasser verwandeln würden. Die Rebellen tranken das Gemisch, trugen Kopfbänder aus gewobenen Hirsenhalmen und attakierten die deutschen Besatzer. Es kam zu tödlichen Angriffen und Häuser wurden niedergebrannt.  

Im Oktober 1905 erreichte die deutsche Verstärkung Tansania. Viele der Maji-Maji mussten bereits feststellen, dass die deutschen Gewehrkugeln nicht zu Wasser werden und der deutsche Kommander, General von Götzen, ging mit grosser Härte gegen die tribal Bevölkerung vor. Er befahl die Ernte niederzubrennen und die Dörfer anzuzünden. Es wird vermutet, dass ca. 250’000 Afrikaner an der auf die Zerstörung folgende Hungersnot gestorben sind.

Von einer arabischen Dhow gerettete Sklaven auf der belgischen HMS Daphne am 1. November 1868.

Der Sklavenhandel in Ostafrika
Die tansanische Küste wurde erst von den Arabern und Portugiesen und später von verschiedenen europäischen Machhabern als Ausgangspunkt für den Sklavenhandel benutzt. Man schätzt, dass allein in Ostafrika bis zu 8 Millionen Afrikaner versklavt wurden. Sansibar war dabei einer der bedeutendsten Handelsplätze für Sklaven nach Arabien, Asien, Süd- und Osteuropa. Am 5. Juni 1873 erreichte der Britische Konsul General Sir John Kirk, das der machthabende Sultan Bargash von Sansibar ein Abkommen unterzeichnete, welches den Sklavenhandel illegal machte. Tatsächlich wurde der Sklavenhandel erst nach dem 1. Weltkrieg durch die Übernahme der Insel Sansibar durch die Briten beendet.

Die Geschehnisse vom 1. bis zum 2. Weltkrieg
1916 fielen britische Streikräfte aus Kenya im deutschen Ostafrika ein und besetzten das Land. Nach dem 1. Welkrieg (1919) wurde im Vertrag von Versailles die Herrschaft über das ehemals deutsche Ostafrika den Briten übertragen und trug fortan den Namen Tanganyika.

Die Briten förderten die Administration der indigene Bevölkerung durch lokale Räte und Gerichte. In Dar es Salaam wurde auch ein Parlament gegründet, das jedoch erst nach dem 2. Welkrieg Mitglieder der indigenen Bevölkerung aufnahm. Nachdem 1947 Britannien Tanganyika unter die Pflegeherrschaft der UN stellte, musste das Parlament Mitglieder der indigenen Bevölkerung aufnehmen, da gemäss der UN-Satzung die lokale politische Entwicklung ein zentrales Ziel darstellt.

Die Entstehung des heutigen Tansania's   

Julius Nyerere

1950 erschien der spätere Führer von Tanganyika, Julius Nyerere, auf der Bildfläche. Sohn eines Chiefs konvertierte er in Uganda, während des Schulbesuchs des Makerere College, zum romanischen Katholizismus. Nach 3 jährigem Studium an der Universität in Edingburgh kehrte Nyerere 1953 nach Tanganyika zurück. Er gründete die politische Partei TANU (the Tanganyika African National Union) und dessen Mitglieder erwiesen sich von Beginn an bei den Wahlen ins Parlament als sehr erfolgreich.   

Nach der Unabhängigkeit 1961 wurde Nyerere der neue Premier Minister. Im Jahre 1962 übernahm Tanganyika die republikanische Konstitution und Nyerere wurde zum Präsidenten gewählt.

1964 erreichte Nyerere ein Abkommen mit Abeid Karume (Präsident der Küsteninsel Sansibar). Die beiden Präsidenten unterzeichneten einen “act of union” welcher die beiden Nationen wieder als “the United Republic of Tanzania” zusammenbrachte

Der Kommunismus erreicht Ostafrika
Das politische Credo von Nyerere wurde 1967 in der “Arusha declaration” niedergeschrieben. Es brachte den Sozialstaat nach Tansania und wurde von der Nationalisierung von Schlüsselelementen in der Wirtschaft begleitet. Die Landwirtschaft wird darin als zentraler wirtschaftlichter Faktor angesehen.  

Auszug aus der Arusha Declaration von 1967

Das Programm der “Dörfergemeinschft” wird ins Leben gerufen. Dies beinhaltet das Zusammenführen von Farmern in Kooperationen, was zu einer grösseren Produktivität verhelfen sollte. Wie in anderen Fällen, wo solche Kooperativen gegründet wurden (speziell unter Mao Tse-tung’s China, der Nyerere in seinen Theorien stark beinflusste), erwiesen sich diese Gemeinschaften als unbeliebt und ineffizient.

Nyerere pflegte eine enge Beziehung zu China, das eine Eisenbahn von Dar es Salaam nach Kapiri Mposhi mit dem Namen TAZARA baute. Auf Grund der steigenden Preise von Oel in den 1970er Jahren, hatte Tanzania kein Geld um die Eisenbahn in Stand zu halten.Tanzania war wegen von Nyereres Unterstützung der Guerilliakämpfe in Mosambique und Angola gegen die Portugiesen und den Kämpfen gegen die Weisse Minderheitsherrschaft in Rhodesien bankrott. Als Nyerere seine Position als Präsident im Jahre 1985 freiwillig aufgab (eine fast nie gesehene Geste im modernen Afrika), gab er zu, dass seine ökonomische Politik gescheitert sei.

Schritte zur Demokratie

Das Parlament von Tansania

Beide Teile des vereinigten Tansania hatten von Beginn weg je nur eine politische Partei, TANGU in Tanganyika und ASP (Afro-Shirazi Party) in Zansibar. 1977 vereinigten sich diese zwei Parteien zu einer Partei namens CCM oder Chama Cha Mapinduzi (Revolutionäre Partei). Als Nyerere 1985 zurücktrat blieb er weiterhin als Präsident der CCM tätig und konnte so weiterhin die allgemeine Politik beeinflussen. Als Nachfolger Nyereres stellte die Partei nur einen Kandidaten zur Verfügung, Ali Hassan Mwinyi. Im frühen 1990 bestand jedoch afrikaweit der unumgängliche Druck eine Mehrparteiendemokratie einzuführen worauf 1992 Präsident Mwinyi eine neue demokratische Konstitution einführte. Gemäss dieserwird eine politische Partei nur dann registriert, wenn sie in Tanganyika und Zansibar tätig ist und keinen speziellen religiösen, regionalen, tribalen oder rassistischen Gruppierungen angehört. 1995 gab es konstitutionelle Aenderungen. Die Legislative blieb ein einkammriges nationals Parlament (Bunge), welches alle 5 Jahre gewählt wird. Die Bunge besteht aus 274 Mitgliedern wovon 232 direkt gewählt werden, 37 Sitze sind für vom Präsident ausgewählte Frauen reserviert und 5 werden von Mitgliedern des regionalen Parlaments in Zansibar belegt. Die Exekutive blieb beim Präsidenten, der alle 5 Jahre gewählt wird.

Ebenfalls 1995 wurden Wahlen abgehalten und die CCM gewann nur in Zansibar, wo oppositionelle Empörung auf Grund von Unregelmässigkeiten während den Wahlen die Politik bis zum Ende des Jahrhunderts spaltete. In Tanganyika wurde der CCM Kandidat Mwinyi erst gewählt nachdem alle seine Kontrahenden, auf Grund von Beschuldigungen jeglicher Art, ihre  Kandidatur zurückgezogen.

Die 90er Jahre und das Flüchtlingsdrama

Flüchtlingsströme aus Rwanda nach Tansania

Die ethnischen Konflikte in Rwanda und Burundi belasteten das sich ohnehin schon in finanziellen Nöten befindende Tansania in den 1990-er Jahren. Während einem Zeitabschnitt von gerade 24 Stunden strömen 1994 nicht weniger als 250’000 rwandische Flüchtlinge über die tansanische Grenze. Schlussendlich waren es 550’000 aus Rwanda und 100’000 aus Burundi,wovon viele bis zum Ende des Jahrhunderts immer noch in Tansania waren.  

Im August 1998 wurde Tansania zum Schauplatz eines Terroranschlages als die US amerikanische Botschaft in Dar es Salaam Opfer eines Bombenanschlages wurde und gleichzeitig in Nairobi (Kenya) eine Bombe explodierte.

Im Oktober 1999 starb Ex-Präsident Julius Nyerere. Repräsentanten aus der ganzen Welt erwiesen dem ehemaligen tansanischen Präsidenten an seiner Beerdigung die letzte Ehre.

Die ersten Wahlen im 21. Jahrhundert - Unruhen und Unregelmässigkeiten
Präsident Mkapa gewann eine weitere Legislatur Ende 2000. Die Wahlen wurden von weitreichenden Unruhen und Unregelmässigkeiten überschattet. CCM besetzte praktisch alle Sitze im Nationalen Parlament (bis auf 25). Wahlmanipulation und Einschüchterungen machten die Wahlen in den Augen der internationalen Beobachter “chaotisch”. Für die Wahlen 2005 galt das nicht weniger. Die Wahbehörden in Sansibar ernannten Amani Abeid Karum am 1. November 2005 als Sieger der Präsidialwahlen, obschon Sharif Hamad von der Civic United Front (CUF) seinen Anspruch auf die Präsidentschaft auf Grund der Mehrheit der Stimmen geltend gemacht hatte. Es gab Demonstrationen und Ausschreitungen auf Sansibar . Schon im Vorfeld der Wahlen kam es zu Meinungsverschiedenheiten, da die Wahlen auf Grund des Todesfalls von Vize-Präsident Jumbe Rajab Jumb verschoben wurden, jedoch Zansibar dieser Verschiebung nicht Folge leistete.

Der heutige Präsident Kikwete und seine Politik

Kikwete trifft Obama am 21. Mai 2009.

Jakaya Kikwete gewann die nationalen Präsidentschaftswahlen im Dezember 2005. Er hat die Korruptionsbekämpfung zu seinem "Flagschiffthema" erklärt und diesen Worten anlässlich der zwei letzten grossen Korruptionsskandale Taten folgen lassen (Rücktritt des Premierministers und Auflösung des Parlaments).

Der Bertelsmann-Transformations-Index (BTI) stellt dem Festland mit dem Begriff 'defekte Demokratie' ein für afrikanische Verhältnisse schmeichelhaftes Zeugnis aus, bezeichnet die Regierung Sansibars aber als 'autoritäres Regime'. Im weniger umfassenden Freedomhouse-Ranking gilt Tansania als "teilweise frei" (weniger frei als Kenia, aber freier als Uganda).

Auch die Menschenrechtssituation in Tansania bleibt von den Konflikten in und um Sansibar nicht unberührt, selbst wenn sich die Lage derzeit etwas entspannt hat. Wer aus Pemba, der Hochburg der CUF stammt, kann leicht unter Generalverdacht geraten und bekommt die Vormachtstellung der CCM oft über Gebühr zu spüren. Insgesamt kann aber die Situation der Menschenrechte in Tansania im afrikanischen Vergleich durchaus als befriedigend gelten, auch wenn das U.S. Department of State und Amnesty International erhebliche Defizite aufzeigen. Transparency International sieht Tansania beim Corruption Perception (!) Index weltweit im Mittelfeld. 

 

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